Ernährung

Weniger Fleisch essen: Das bedeutet es für unsere Gesundheit

Inhalt dieser Seite
Beitrag teilen auf:8/
Beitrag wurde erstellt von:
Dunja Rieber

Fleisch ist nährstoffreich sagen die einen. Andere warnen: Wer viel Fleisch isst, wird krank. Ein Blick auf die Fakten zeigt, wie wichtig gerade hier eine gute Qualität ist.

Fleisch: Wie viel dürfen wir noch essen?

Fleisch ist nicht erst seit der letzten Skandale umstritten. Der weltweit wachsende Fleischhunger ist ökologisch ein Problem, die Massentierhaltung ein ethisches. Und der übermäßige Verzehr birgt auch aus gesundheitlicher Sicht Risiken. Vor allem verarbeitetes Fleisch wie Wurst werten Forscher als bedenklich. Wir haben uns die Faktenlage angesehen und zeigen Ihnen, warum eine Ernährung mit wenig, aber dafür gutem Fleisch eine weise Entscheidung für eine gesunde Zukunft ist:

Fleisch fördert Entzündungen

Weniger Fleisch zu essen, wirkt sich auf alle Erkrankungen positiv aus, bei denen entzündliche Prozesse eine Rolle spielen. Das sind zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen wie Arteriosklerose, Rheuma, Arthritis und neuerer Forschung nach möglicherweise auch Depressionen. Grund ist die im Fleisch enthaltene Arachidonsäure. Essen wir zu viel davon, fördert dies die Entzündungen. Dass Fleisch bei Arthritis-Patienten Schübe auslöst, ist schon länger bekannt. Fleisch enthält außerdem Purine, die den Harnsäuregehalt im Blut erhöhen und Gicht begünstigen können.

Stille Entzündungen – der verborgene Feind im Körper

Im Schnitt essen wir 60 kg Fleisch und Wurst pro Jahr, also rund 160 Gramm am Tag. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät aber nur zu maximal 85 Gramm am Tag. Wir essen also doppelt so viel Fleisch als von der DGE empfohlen. Und selbst diese Menge ist vielen Forschern noch zu viel zu hoch. Die Weiterverarbeitung spielt ebenfalls eine große Rolle. Ein Stück pures Steak aus der Pfanne ist gesünder, als wenn es gepökelt, geräuchert oder durch Zusatzstoffe haltbar gemacht wurde.

Ist Wurst krebserregend?

Denn verarbeitetes Fleisch wie Wurstwaren enthält nicht nur viel Fett und viel Salz, sondern auch Zucker und künstliche Zusätze. Um Wurstwaren haltbar zu machen werden oft Nitrat und Nitrit zugesetzt. In unserem Körper werden diese Salze in Nitrosamin umgewandelt. Dieser Stoff erhöht unser Risiko an Darmkrebs zu erkranken und begünstigt zudem Herz-Kreislauferkrankungen. Wissenschaftler der Harvard Universität fanden heraus: Bereits der tägliche Verzehr von 50 g verarbeitetem Fleisch wie Wurst, Salami, Würstchen oder Schinken erhöht unser Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um 42 Prozent und unser Diabetesrisiko um 20 Prozent. Auch der hohe Salzgehalt soll dafür mitverantwortlich sein. 50 Gramm Wurstwaren sind nicht viel: Diese Menge entspricht etwa einem kleinen Wiener Würstchen oder ein paar Scheiben Salami.

Die internationale Agentur für Krebsforschung, die zur WHO gehört, stufte den Verzehr von verarbeitetem Fleisch sogar als „karzinogen (krebserregend) ein. Vor allem bestünden Zusammenhänge mit Darm-, aber auch Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs, so die Gruppe von 22 Experten aus zehn Ländern. Die im renommierten Fachjournal Lancet erschienenen Forschungsergebnisse sind alarmierend: Wer täglich 50 Gramm Wurst oder Fleischwaren isst, erhöht sein Risiko für Darmkrebs um 18 Prozent. Rotes Fleisch stufte die Forschergruppe als „wahrscheinlich karzinogen“ ein. Möglicherweise spielt hierbei der hohe Eiweißanteil im Fleisch eine Rolle vermuten Forscher. Bei übermäßigem Verzehr können Eiweiße über Botenstoffe das Zellwachstum anregen – was Krebs begünstigen könnte.

Auch die Herkunft entscheidet über gesund oder ungesund

Wie sich Fleisch auf unsere Gesundheit auswirkt, hängt auch davon ab wie die Tiere gelebt haben und was sie fressen durften. Gras ist die natürliche Nahrung für Rinder und Schafe, nicht Soja oder Mais. Dürfen Tiere auf der Wiese grasen, fressen sie natürliches, frisches Gras und sie bewegen sich viel. Auch auf Biohöfen ist mehr Platz garantiert. Das hat Auswirkungen auf das Tierwohl und die Fleisch-Qualität: Gutes Fleisch enthält mehr ungesättigte Omega-3-Fette und ist daher hochwertiger und weniger entzündungsfördernd.

Antibiotika im Fleisch

Weltweit werden doppelt so viele Antibiotika an Tiere verabreicht wie an Menschen. Die Tiere nehmen dadurch schneller an Gewicht zu. Aber: Es fördert auch multiresistente Keime. In mehr als zwei Drittel aller konventionellen Schweinebetriebe wurden solche gefährlichen Keime gefunden. Diese können auf das Fleisch übergehen. Ein Grund mehr zu Bio zu greifen, denn hier sind Antibiotika nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Bio-Fleisch: Darauf sollten Sie achten

Brauchen wir Fleisch?

Erinnern Sie sich noch an den Werbeslogan „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“? Heute wissen wir es besser. Auch ohne Fleisch werden wir „groß und stark“ und sind sogar zu Höchstleistungen fähig, wie immer mehr Profi-Sportler beweisen. Es stimmt zwar, Fleisch liefert durchaus wichtige Nährstoffe, vor allem hochwertiges Eiweiß, Eisen, Zink und auch verschiedene B-Vitamine. Zudem kann unser Körper das Eiweiß und Eisen aus Fleisch besonders leicht aufnehmen. Für Senioren, die altersbedingt nur wenig Nahrung zu sich nehmen können, kann das ein Vorteil sein. Doch alle Nährstoffe, die in Fleisch stecken, finden wir auch in anderen Lebensmitteln. Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse und Ölsamen liefern uns eben diese Nährstoffe in weitaus gesünderen Form. Denn mit pflanzlichen Lebensmitteln nehmen wir gleichzeitig wichtige Ballaststoffe auf und neben weiteren Vitaminen auch zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Vitamin B12 (das fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt) kann auch über Milchprodukte aufgenommen werden. Für eine gesunde Ernährung brauchen wir Fleisch also definitiv nicht.

Eiweißreiche Lebensmittel: Warum pflanzliche Proteine mehr zu bieten haben

Was früher gut war, sollten wir wieder aufleben lassen

Wer weniger Fleisch essen möchte, muss nicht gleich komplett verzichten oder Veganer werden. Steaks und Wurst aus dem Discounter haben allerdings mit Genuss und Gesundheit nichts zu tun. Wir sollten Fleisch (wieder) bewusster genießen und auf die richtige Herkunft achten. Das hat seinen Preis. Doch wenn wir den guten alten Sonntagsbraten aufleben lassen und uns nur ab und zu ein Stück gutes Fleisch gönnen, können wir damit schon viel erreichen.

Bildnachweis: Shutterstock.com