Ernährung

Pestizide in Obst und Gemüse – ist Bio die bessere Wahl?

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Cora Högl

In rund 80 Prozent konventionell produziertem Obst und Gemüse sind Pestizide nachweisbar. Wir klären, was es mit Pestiziden in unseren Lebensmitteln auf sich hat und warum der Griff zur Bio-Kiwi eindeutig die bessere Wahl ist.

Warum werden Pestizide eingesetzt?

„Pestizide“ ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe chemischer Mittel, die in der konventionellen Landwirtschaft zu verschiedenen Zwecken eingesetzt werden. Um Insekten und Schädlinge abzutöten werden Insektizide benutzt, Herbizide vernichten Unkräuter und gegen Pilzbefall wirken Fungizide.

Derartige chemisch-synthetischen Präparate sind im biologischen Anbau tabu. Das entlastet sowohl Verbraucher als auch die Umwelt. Statt mit Pestiziden bekämpfen Ökobauern „Unkraut“ auf ihren Feldern mechanisch, bedienen sich der Hilfe von Nützlingen und achten z. B. auf die optimale Fruchtfolge um die Bodengesundheit und -Fruchtbarkeit zu erhöhen. So werden natürliche Schädlinge auf natürliche Weise in Zaum gehalten.

Sind Pestizide schädlich?

Dass Pestizide giftig sind, ist nicht verwunderlich, denn genau das ist ihre Aufgabe. Leider sind sie nicht nur für „Schädlinge“ giftig, sondern auch für Natur und Mensch. Immer wieder werden erhöhte Pestizid-Rückstände und Grenzwertüberschreitungen vor allem in Obst und Gemüse festgestellt. Auch über den Umweg des Tierfutters können Pestizide in unsere Nahrung gelangen und in unseren Gewässern sind sie ebenfalls längst angekommen.

Pestizide sind fast ohne Ausnahme auch für Menschen gesundheitsschädlich. Das bestreitet heute niemand mehr. Schon lange ist es etwa üblich, Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich abzuwaschen, da es ja „gespritzt“ sein könnte. Unter dem funktionsbezogenen Oberbegriff „Pestizid“ versteckt sich eine Vielzahl von Stoffen. So können auch die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit ganz unterschiedlich sein. Neben Blei, Arsen, Quecksilber, Chrom und Radionukleiden gehören Pestizide laut EU-Koordination des Deutschen Naturschutzrings zu den sechs gefährlichsten Umweltgiften der Welt.

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Mit Bio auf der sicheren Seite?

Eine Studie der Universität Stanford hat belegt, dass im Urin von Kindern, die sich ökologisch ernähren, weniger Pestizidrückstände zu finden sind, als bei Kindern, die konventionelle Lebensmittel verzehren. Der Grund liegt auf der Hand: Bis auf wenige Ausnahmen sind Bio-Obst und Gemüse in aller Regel unbelastet, da im biologischen Anbau keine chemisch-synthetischen Pestizide zugelassen sind.

Der Pestizidexperte Lars Neumeister kommt zu einem ähnlichen Ergebnis und hat dazu auch noch konkrete Zahlen parat: Seine Auswertung von 58.000 Proben, die von der Lebensmittelaufsicht zwischen 2011 und 2013 gesammelt wurden, ergab, dass die Bio-Ware bei jeder Probe weniger belastet war als konventionelles Obst und Gemüse.

Dabei kamen auch einige krasse Fälle ans Licht: Bio-Zitronen hatten eine 130-fach geringere Pestizidbelastung als konventionelle Zitronen. Kiwis aus konventionellem Anbau waren sogar 3000 Mal höher mit Pestiziden belastet als Kiwis aus Bio-Anbau! Interessant dabei ist die Beobachtung, dass bei Bio-Obst die Auswirkungen deutlicher messbar sind, als bei Bio-Gemüse – im Schnitt war konventionelles Obst 350 Mal stärker belastet, konventionelles Gemüse 30 Mal mehr.

Abwaschen gegen Schmutz – Bio gegen Pestizide

Von dem Tipp, Obst und Gemüse einfach vor der Zubereitung gründlich zu waschen und zu bürsten, hält Pestizidexperte Neumeister – zumindest in Bezug auf Pestizide – nichts. Viele Pestizide können auch durch die Schale dringen, weiß Neumeister. Waschen und bürsten löst demnach zwar den Dreck, ändert aber so gut wie nichts an der Pestizidbelastung.

Wer sich gesund ernähren möchte, sollte also auf Lebensmittel aus Bio-Anbau setzen. Einen Überblick über die zahlreichen unterschiedlichen Biosiegel finden Sie hier.

Pestizide sind aber nur ein Puzzleteil. Bei der Frage ob Bio oder nicht geht es auch um Themen wie Nachhaltigkeit, Nährstoffgehalt und Regionalität. Hierzu erfahren Sie in Kürze mehr auf unserem Blog.

Bildnachweis: MNStudio/Shutterstock.com