Ernährung

Der Ernährungsreport: Wie gesund wir essen – und was Experten uns raten

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Dunja Rieber

Gesund essen im Alltag – möglich, aber nicht immer einfach. Harvard-Forscher haben einen flexiblen, gesunden Speiseplan entwickelt, den wir nutzen sollten!

Unser Bewusstsein für eine gesunde Ernährung wird immer größer – so steht es zumindest auf einem Papier der Bundesregierung. Unser Essen soll gesund sein, ein Großteil der Deutschen kocht gerne, am liebsten aus regionalen Zutaten und Vielfalt in der Ernährung ist uns besonders wichtig. Dieses Bild zeigt eine aktuelle Ernährungserhebung finanziert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Alles bestens also? Wieso ist dann die Zahl der Übergewichtigen so hoch? Auch mit der Lebenserwartung in den Industrienationen schien es jahrelang nur bergauf zu gehen. Doch eine Studie von Forschern der University of California und der Princeton University, veröffentlicht im British Medical Journal, zeigt, dass dieses Selbstverständnis einen Knacks bekommen hat.

Alarmierende Zahlen: Lebenserwartung sinkt

In den USA und Großbritannien sank in den letzten Jahren erstmals die Lebenserwartung. In Deutschland sieht es nicht anders aus. Das geht aus einer der größten Gesundheitsstudien weltweit hervor, der „Global Burden of Disease“, die von der Harvard Universität und der WHO initiiert wurde. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht. Alarmierende Ergebnisse, obwohl unser Krankenkassensystem als eines der besten weltweit gilt und trotz steigender Ausgaben im Gesundheitswesen, technischem Fortschritt, medizinischen Erfolgen und neuen Diagnosemöglichkeiten.

Warum fällt unsere Lebenserwartung?

Gesundheitsexperten wundert diese Diskrepanz nicht. Denn in erster Linie wird unsere Lebenserwartung durch einen ungesunden Lebensstil beeinträchtigt. Fachgesellschaften verweisen bereits seit geraumer Zeit auch auf die steigende Zahl der Menschen, die an Zuckerkrankheit, Herz-Kreislauferkrankungen oder Adipositas leiden. Und dies ist erst der Anfang der Liste ernährungsabhängiger Erkrankungen.

So (un)gesund essen die Deutschen – die zentralen Ergebnisse des neuen Ernährungsreports

Was lag in den letzten Tagen und Wochen auf Ihrem Teller? Ein Blick in die Forschung und Statistik zeigt, dass Wunsch und Wirklichkeit bei unserer Ernährung häufig auseinander klaffen:

Es fällt uns nicht immer leicht, uns optimal zu versorgen. Zu viele leere Kalorien aus einfachen Kohlenhydraten, versteckten Fetten und Zucker und dazu weit weniger als die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Dass das nicht gesund ist, wissen wir. Aber weil viele im Alltag wenig Zeit haben, sind verarbeitete Lebensmittel-Quickies aus unseren Supermärkten nicht mehr weg zu denken. Neben Tiefkühlpizza zählen dazu auch gesüßte Frühstücksflocken oder Knuspermüslis, Süßigkeiten, Wurst, Fertiggerichte aller Art, Limonade, Snacks zum Knabbern, Tütensoßen und -suppen. Hinzu kommen Faktoren wie Stress, Zigaretten- oder Alkoholgenuss, gesundheitliche Belastungen, die einen erhöhten Bedarf an Mikronährstoffen nach sich ziehen.

Vorsicht, Dickmacher

Die gesundheitlichen Folgen einer ungesunden Ernährung werden noch immer unterschätzt: Eine Gruppe Freiwilliger frühstückte zwei Wochen lang täglich ein Honig-Nuss-Müsli aus der Packung. Auch zu Mittag und Abendessen gab es verarbeitete Lebensmittel. Eine andere Gruppe erhielt genauso viele Mahlzeiten, allerdings mit unverarbeiteten Lebensmitteln, zum Frühstück gab es z. B. einen Joghurt mit frischen Früchten. Beide Gruppen durften essen so viel sie wollten. Das Ergebnis: Gruppe 1 legte selbst innerhalb dieses kurzen Zeitraums an Gewicht zu, der Körperfettanteil stieg. Kein Wunder, denn die erste Gruppe nahm im Schnitt 500 kcal mehr zu sich. Fertigkost verleitete also auch dazu, mehr zu essen. Anschließend wurden die Gruppen getauscht. Die Teilnehmer der Fertigkost-Gruppe nahmen wieder ab, die früheren Frischkost-Esser nahmen zu. Je verarbeiteter unsere Lebensmittel, umso weniger Mikronährstoffe stecken darin, dafür viele Kalorien, Salz, Zucker, Geschmacksverstärker und künstliche Aromen – keine guten Voraussetzungen, um gesund zu bleiben. Auch Ernährungsgesellschaften kommen zu dem Ergebnis, dass unsere deutsche Kost im Großen und Ganzen zu energiereich, fettig, salzig, süß und arm an Ballaststoffen ist. Nach der Nationalen Verzehrsstudie II erfüllen große Teile der Bevölkerung bei wichtigen Mikronährstoffen nicht die empfohlenen Mengen, z. B. für Vitamin D, Folsäure, Eisen, Vitamin C, E und Ballaststoffen.

Tägliche Optimierung mit Vitaminen und Spurenelementen

Wie wirkungsvoll die richtige Ernährung sein kann, belegt die intensive Forschung der Harvard Universität. Um den Ursachen der Zunahme an ernährungsbedingten Krankheiten auf die Spur zu kommen, führt ein Forscher-Team bereits seit 1976 eine der größten Langzeit-Studien zur Ernährung überhaupt durch. Ziel war es, unabhängige Empfehlungen zu entwickeln, die allein auf wissenschaftlicher Evidenz beruhen – ohne Einflussnahme durch Industrie.

Daraus entstanden ist die Harvard „Gesund essen“-Pyramide, die uns zeigt, wie wir heute gesund essen können und was wir besser lassen sollten. Was auffällt: Wie bei der traditionellen mediterranen Ernährung auch, spielen pflanzliche Lebensmittel die Hauptrolle. Die Mikronährstoffe darin sind ein wichtiger Baustein für unsere Gesundheit. Zusätzlich raten die Experten zu einer Optimierung mit zusätzlichen Vitaminen uns Spurenelementen.

Die Kern-Empfehlungen der Wissenschaftler:

  • Basisernährung: Obst und Gemüse, Vollkorngetreide, pflanzliche Proteine, Nüsse und Samen, ungesättigte Fette.

  • Möglichst reduzieren: Gesättigte Fette, weißes Mehl, Salz und Zucker

  • Ergänzung: Tägliche Optimierung der Ernährung mit zusätzlichen Vitaminen und Spurenlementen

Achten Sie auf sich – und möglichst oft auf eine gesunde Harvard-Ernährung

Wer sich an den Harvard-Empfehlungen orientiert, lebt nachweislich gesünder, kann Übergewicht abbauen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Was dieser langanhaltenden Gesundheit zugrunde liegt: Ein flexibler Speiseplan für den modernen Alltag, den wir nutzen sollten.

Die Forscher sehen die „Gesund Essen“-Pyramide als gesunde Basis, die Sie flexibel an Ihren Alltag und Ihre Bedürfnisse adaptieren können. Versuchen Sie auch beim Essen unterwegs oder in der Kantine die bestmögliche Wahl zu treffen. Zu Hause können wir gesund Vorkochen. Wie das ganz einfach geht, zeigt Ihnen Starkoch Holger Stromberg ebenfalls in unserem neuen Magazin. Und wenn es mal schnell gehen muss, darf es durchaus Tiefkühlgemüse sein, aber dann ohne künstliche Zusätze. Essen wir so oft es geht nach den Empfehlungen der Harvard Ernährung, können wir gelassen in eine gesunde Zukunft blicken!

Bildnachweis: The-Picture-Pantry