Ernährung

Bitter nötig: Wie Bitterstoffe die Verdauung unterstützen

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Dunja Rieber

Bitter? Bitte nicht! Das ist leider oft der erste Reflex auf die ungeliebte Geschmacksrichtung. Doch Bitterstoffe sind eine Wohltat für unsere Verdauung und darum sollten wir sie viel öfter wieder genießen.

Was sind Bitterstoffe?

Bitterstoffe fassen alle bitter schmeckenden Inhaltsstoffe in Pflanzen zusammen. In der Natur kommen Bitterstoffe vor allem in Form von sekundären Pflanzenstoffen vor. Vor allem Wildkräuter, Wurzeln und einige Salatsorten enthalten die wertvollen Bitterstoffe.

Wie wirken Bitterstoffe?

Bitterstoffe sind seit jeher ein bedeutender Bestandteil der Ernährung. Die Urformen unserer heutigen Obst- und Gemüsesorten enthielten allesamt reichlich davon – viel mehr als heutige Sorten.

Bitterstoffe fördern in erster Linie unsere Verdauung. Bereits beim Kauen regt der bittere Geschmack die Produktion von Speichel an. Das macht unsere Speisen direkt besser verdaulich. Gleichzeitig aktiviert der Geschmack Magen, Leber und Galle und bereitet sie auf die direkt bevorstehende Mahlzeit vor.

Da die Bitterstoffe unsere Verdauungssäfte regulieren können, dienen sie übrigens als natürlicher Schutz vor Sodbrennen und Übersäuerung. Außerdem regulieren sie Appetit und Sättigungsgefühl – und schützen so vorm „Überessen“. Sie sollen auch den Heißhunger auf Süßes reduzieren. Probieren Sie es mal aus und essen Sie bei akuter Naschlust ein Stück Bitterschokolade (ab 90 Prozent Kakaoanteil)!

Bitterstoffe regen auch die Darmbewegungen an – ideale Voraussetzungen für den raschen Abtransport von Stoffwechselabfall. Eine gesunde Darmflora wiederum unterstützt unser Immunsystem. Wer unter Reizdarm leidet, bekommt in der Traditionellen Chinesischen Medizin die Empfehlung, mehr Bitterstoffe zu essen.

Warum fehlt es uns heute häufig an Bitterstoffen?

Bitter ist von Natur aus nicht gerade unsere Lieblingsgeschmacksrichtung. Im Gegenteil: Viele giftige Pflanzen warnen uns mit ihrem bitteren Geschmack vor dem Verzehr. Süßer Geschmack dagegen verspricht schnelle Energie und keine Gefahr für den Körper.

Diesen Umstand haben sich Züchter und Bauern zu Nutze gemacht. Sie legten bei ihren Obst-, Gemüse- und Salatsorten besonderen Wert auf „breitentauglichen“ Geschmack – und da passten die Bitterstoffe nicht. So schmecken selbst Sorten, die einst charakteristisch bitter waren, heute je nach Sorte eher süßlich: Chicorée, Äpfel, Rucola und Grapefruit zum Beispiel.

Auf der Strecke bleibt dabei zumindest ein Teil des gesundheitlichen Werts der Bitterstoffe. Doch es gibt noch einige Lebensmittel, die Ihren Körper mit den bitteren Inhaltsstoffen versorgen.

Mehr Bitterstoffe in den Speiseplan integrieren - diese Lebensmittel enthalten viele Bitterstoffe

Bittersalate

Im Vergleich zu wilden Sorten enthalten bittere Salatsorten wie Chicorée, Endivie und Radicchio heute weniger sekundäre Pflanzenstoffe und Bitterstoffe. Hier gilt es nach Sorten oder Anbietern Ausschau zu halten, die gezielt auf ursprünglichere Sorten setzen. Auf Wochenmärkten hat man oft Glück und findet noch Bittersalate, die nicht aus hiesiger Produktion stammen. Auch in selteneren Salatsorten wie Treviso oder Löwenzahnsalat steckt oft noch mehr der ursprünglichen Bitterstoffe.

Gemüse

Auch Gemüse wie Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl, Wirsing, Sellerie, Zwiebeln und Artischocken liefern Bitterstoffe. Grün- und Rosenkohl liegen mit ihrem Gehalt an Bitterstoffen dabei vorne, denn an ihnen wurde in der Zucht insgesamt weniger verändert. Bei Brokkoli kommt es auf die Sorte an. Vergleichen Sie mal einen saisonal und regional angebauten Brokkoli mit einem aus Gewächshausproduktion.

Kräuter

Lassen Sie ruhig mehr Kräuter ans Essen: Vor allem in Salbei, wildem Thymian, Oregano, Rosmarin und Bohnenkraut stecken noch Bitterstoffe.

Olivenöl

Gutes natives Olivenöl extra vergine, das bei der Herstellung nicht erhitzt wird und bei dem keine Farb- und Aromastoffe herausgefiltert werden, liefert ebenfalls Bitterstoffe! Das schmecken Sie auch. Es hat ein herbes Aroma und eine intensive gelblich-grünliche Farbe im Gegensatz zu raffiniertem Olivenöl.

Löwenzahn

Eine besonders einfache Lösung für das Versorgungsproblem mit Bitterstoffen liefert der Löwenzahn. Er wächst auf beinahe jeder Wiese, in jedem Garten und sogar in Mauerspalten.

Alle Teile des Löwenzahns enthalten Bitterstoffe und sind auch essbar: Blüten, Blätter wie auch Wurzel. Je älter die Pflanze, desto mehr Bitterstoffe (vor allem Taraxin) sind enthalten. Löwenzahn eignet sich besonders gut als Zutat im Salat, in Suppen oder grünen Smoothies.

Schafgarbe

Auch die Schafgabe lässt sich wild auf naturbelassenen Wiesen pflücken. Das Kraut mit den hübschen weißen Blüten unterstützt die Leber und soll auch bei Magen-Darm-Beschwerden wirken. Aus der Schargabe können Sie leicht einen Tee brauen. Nehmen Sie dazu einfach einen Teelöffel des Krautes (frisch oder getrocknet) und übergießen Sie es mit kochendem Wasser. Nach fünf bis zehn Minuten können Sie den bitteren Tee trinken.

Wermut

Wermut gehört zu den bekanntesten bitteren Heilkräutern und wie Schafgarbe und Löwenzahn zur Familie der Korbblütler.

Ein Tee aus Wermut ist tatsächlich nichts für empfindliche Gaumen. Wer ihn trotzdem probieren möchte, kann sich langsam herantasten und die Ziehzeit Tasse für Tasse langsam erhöhen. Er soll den Appetit vor den Mahlzeiten anregen und die gesamte Verdauung in Schwung bringen.

Hopfen

Seine Bitterstoffe geben dem Bier den charakteristischen herben Geschmack: der Hopfen. Doch leider ist das kein Grund für den Bierkonsum, denn die Bitterstoffe im Bier sind zu sehr verdünnt, um eine spürbare Wirkung zu entfalten.

Alkoholfrei und vor allem wirkungsvoll ist Hopfen-Tee, den es zum Beispiel im Reformhaus zu kaufen gibt.

Ingwer

Ingwer ist nicht nur extrem aromatisch, sondern auch eine Wohltat für die Verdauung. Das liegt an seinen zahlreichen Bitterstoffen – die im Fall des Ingwers auch ziemlich scharf sind. Um davon zu profitieren, geben Sie ruhig in diverse Gerichte eine Scheibe Ingwer und lassen sie mitkochen. Wichtig: Lassen Sie die Schale dran und waschen Sie den Ingwer vorher nur gründlich ab.

Die geballte Kraft der Wurzel bekommen Sie, wenn Sie sich einen Tee aus Ingwer brauen. Dazu geben Sie auf 200 ml Wasser einfach je nach Geschmack 3-5 Scheiben Ingwer und lassen sie im heißen Wasser mindestens 10 Minuten ziehen.

Hartgesottene können übrigens auch ein Stück Ingwer direkt kauen!

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