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Ayurveda im Alltag: Wie gesunde Routinen Ihre Lebensqualität steigern

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Lisa Hamsch

Ayurveda ist mehr als nur ein Wellness-Hype. Bei der „Wissenschaft über das Leben“ wird auf gesundheitsfördernde Routinen gesetzt, die das innere Gleichgewicht bewahren und so das Wohlbefinden und die Lebensqualität steigern sollen. Wie Sie mithilfe von Ayurveda in Ihrem Alltag profitieren und welche Ernährung Ayurveda empfiehlt, lesen Sie hier.

Ayurveda ist mehr als nur ein Wellness-Hype. Übersetzt bedeutet Ayurveda „die Wissenschaft über das Leben“. Dabei werden psychische, physische und spirituelle Aspekte berücksichtigt, um ganzheitlich die Selbstheilungskräfte anzuregen. Ölmassagen, Entschlackungs- und Reinigungsprogramme sind ein Bereich der ayurvedischen Medizin. Eine wesentliche Rolle spielt auch die Ernährung, die sich individuell nach den so genannten „Doshas“ richtet.

Die drei Doshas – Vata, Pitta, Kapha

Das ayurvedische System stützt sich auf die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Diese werden nach ihren Funktionen und Eigenschaften in die drei Energien Vata, Pitta und Kapha, auch Doshas genannt, unterteilt. Sie verleihen dem Menschen seine individuelle Konstitution und steuern seine körperliche und geistige Funktion. Sie prägen also den Charakter, das äußere Erscheinungsbild und sind unter anderem verantwortlich für Verdauung, Stoffwechselprozesse, Atmung, Immunsystem und Geschmacksempfinden.

  • Vata bedeutet „das, was die Dinge bewegt“, und kombiniert die Elemente Luft und Äther. Es symbolisiert alle beweglichen und dynamischen Prozesse im Körper. Im Dickdarm sitzend, hält es Atmung und Bewegung aufrecht. Zu viel Vata führt z. B. zu Schlaflosigkeit, Verstopfung, trockener Haut, Müdigkeit bis hin zu Depressionen.
  • Pitta charakterisiert das, „was der Körper verbrennt und verdaut“. Es entsteht aus der Kombination von Feuer und Wasser und steht für das erhitzende und abbauende Moment. Es sitzt vor allem im Dünndarm und ist für die Stoffwechsel-Prozesse verantwortlich. Zu viel Pitta führt zu Sodbrennen, starkem Schwitzen, Entzündungen, übermäßiger Hunger und Durst, Hormonstörungen und Haarausfall.
  • Kapha ist das, „was die Dinge zusammenhält“. Es wird durch die Elemente Wasser und Erde gebildet. Im Fokus stehen dabei Struktur, Aufbau, Zusammenhalt und Stabilität. Es sitzt vor allem im Magen und regelt positive Emotionen. Zu viel Kapha führt z. B. zu Lethargie, Übergewicht, häufigen Erkältungen, Kältegefühl und Blässe.

Die drei Doshas kommen nach ayurvedischer Vorstellung in jedem Menschen vor, allerdings in einer unterschiedlichen Ausprägung. Diese persönliche Zusammensetzung ist angeboren und verändert sich im Lauf des Lebens nicht. Gesund ist, bei wem sich alle Energien im Gleichgewicht befinden. Geraten die Doshas z. B. durch Stress, mangelnde Bewegung oder eine falsche Ernährung aus der Balance, können Ungleichgewichte und Krankheiten entstehen. Daraufhin wird das ganzheitliche Konzept der Ayurveda-Medizin mit Ernährung, Gewohnheiten und Reinigungs-Ritualen darauf abgestimmt, da sie die Doshas stärken oder schwächen und so die Balance beeinflussen.

Ernährung ist Medizin

Im Ayurveda gilt Nahrung als Medizin, weshalb die Ernährungslehre im Ayurveda eine entscheidende Rolle spielt. Je nachdem, was und wie wir etwas unserem Körper zuführen, fördern bzw. stören wir das sogenannte Verdauungsfeuer Agni und die Harmonie der Doshas. Die empfohlene Ernährung im Ayurveda ist daher konstitutionsabhängig – je nach individueller Dosha-Ausprägung. Sie wird auf den einzelnen Menschen und seine Verträglichkeit abgestimmt. Die physischen und mentalen Bedürfnisse des Einzelnen werden dabei mitberücksichtigt.

Die Grundsätze der Ayurvedischen Ernährung sind jedoch immer gleich. Es wird hauptsächlich mit Gemüse, Obst, Kräutern, Getreide, Hülsenfrüchten und Milchprodukten gekocht. Auf Fleisch und Wurstwaren wird weitestgehend verzichtet. Ein großes Augenmerk liegt auf leichten Mahlzeiten, die gut verdauet werden können. Desweiteren setzt sie darauf, keine körperlichen Bedürfnisse zu unterdrücken (Stuhlgang, Weinen, Blähungen usw.) und Ihre Küche mit vielen Gewürzen aufzumischen. Zu den Gewürzen der ayurvedischen Küche zählen vor allem Kurkuma, Ingwer, Kardamom, Koriander, Kreuzkümmel, Nelken, Muskat, Pfeffer, Safran und Zimt.

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Die Grundregeln der ayurvedischen Ernährungslehre:

  • Der perfekte Start in den Tag: Mit einem Glas warmen Wasser
  • Auf regelmäßige, warme Mahlzeiten achten und Zwischenmahlzeiten vermeiden, idealerweise liegen 4 bis 5 Stunden zwischen den Mahlzeiten
  • Die Hauptmahlzeit sollte gegen 12 Uhr erfolgen
  • Man sollte sich nicht vollkommen satt und vor allem niemals in Eile essen
  • Frische und saisonale Zutaten sind zu verkochen und am besten alle sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen zu berücksichtigen (süß, sauer, salzig, bitter, herb und scharf)
  • Auf eisgekühlte Getränke ist zu verzichten

Ayurvedische Routinen und Rituale im Alltag

Wir Menschen sehnen uns nach Regelmäßigkeit und Sicherheit. Vieles in unserem Leben liegt außerhalb unserer Kontrolle – das ist verunsichernd und kann schnell zu Stress führen. Um den Tag entspannter und zielorientierter zu bestreiten, helfen uns also Routinen, die uns in jeder Phase des Tages unterstützen. Auf diesem Konzept basiert die ayurvedische Lebensführung. Die vielen Rituale und Regelmäßigkeiten geben Halt, Sicherheit und erzeugen Wohlbefinden, wodurch ein ganz anderes Energielevel erreicht wird. Der Körper wird dabei unterstützt, sein bestmögliches Potential auszuschöpfen, und so wird die Lebensqualität verbessert.

Im Ayurveda wird der Alltag an die natürlichen Zyklen der Natur angepasst. Der ayurvedische Tag orientiert sich dabei an den drei Zeitperioden Vata, Kapha und Pitta, die sich alle vier Stunden abwechseln, und so zweimal täglich wiederkehren. Diese drei Grundenergien nehmen Einfluss auf unsere physiologischen und psychologischen Vorgänge. Wer seine Routinen an diese anpasst, lebt ein Leben in Harmonie und Leichtigkeit.

Bildnachweis: © LaVita

Im Folgenden stellen wir Ihnen einen typischen Tagesablauf nach ayurvedischer Lebensweise vor, der unseren Geist und Körper harmonisieren und bestmöglich unterstützen soll.

Besser leben nach der Dosha-Uhr Dinacharya

4 bis 6 Uhr: Mit der Sonne aufwachen

Im Ayurveda liegt ein Schlüssel zu einer gesunden Tagesroutine im frühen Aufstehen. Sie empfehlen, den Tag möglichst vor Sonnenaufgang bzw. 6 Uhr zu beginnen. Denn die frühen Morgenstunden sind von Vata dominiert, welches für geistige Wachheit, Kreativität und Leichtigkeit steht. Wer zu dieser Zeit aufsteht, nimmt all diese Qualitäten mit in den Tag. Wer hingegen länger als 6 Uhr schläft und in der Kapha-Zeit aufsteht, wird sich mit dem Aufstehen sehr viel schwerer tun und verliert die morgendliche Frische.

Aber keine Angst, nicht jeder ist ein früher Vogel und muss so früh aufstehen. Sollten Sie allerdings morgens sowieso um 6 Uhr aufstehen, können Sie gerne einmal ausprobieren, ob 5, 10 oder 30 Minuten früher besser aus dem Bett kommen. Vieles ist Gewohnheit.

Für den Start in den Tag bietet sich eine kurze, stille Meditation an, um geerdet und mit frischen Gedanken in den Alltag zu starten. Nach dem Aufstehen folgen wichtige Reinigungsrituale für die innere und äußere Reinigung sowie mehr Klarheit.

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Die ayurvedische Morgenroutine

Die ayurvedische Morgenroutine ist ein wichtiger Bestandteil der gesundheitserhaltenden Maßnahmen und dient vor allem der Reinigung von Körper und Geist – unabhängig davon, wann sie aufstehen.

Die wichtigsten Komponenten der Morgenroutine:

  • Ein großes Glas warmes Wasser trinken, um den Stoffwechsel anzuregen
  • Mundhygiene mit: Ölziehen, Zunge schaben und Zähne putzen
  • Ganzkörper-Ölmassage: Den Körper mit Sesamöl einreiben
  • Eine Nasenspülung durchführen
  • Den Körper mit einer warmen Dusche reinigen
  • Yoga oder Meditation für mehr Kraft und Klarheit

Probieren Sie doch einmal eine dieser Routinen aus und schauen Sie, ob es sich für Sie gut anfühlt.

7 bis 9 Uhr: Das leichte Kapha-Frühstück

Die beste Uhrzeit für ein Frühstück ist nach Ayurveda zwischen 7 und 9 Uhr. Am besten eignet sich ein warmes und für den Magen schonendes Frühstück, da das Verdauungsfeuer Agni im Kapha nicht sehr stark ist. Ein kaltes Frühstück hingegen soll den Stoffwechsel verlangsamen.

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Ayurvedische Frühstücksideen

Für ein warmes, ayurvedisches Frühstück eignen sich besonders gut:

  • Porridge
  • Buchweizenpfannkuchen
  • Grießbrei
  • Suppe

Ab 10 Uhr: Die produktive Pitta-Phase

Nach einem ruhigen Start in den Tag, eignet sich die Pitta-Periode perfekt, um produktiv zu sein und wichtige Entscheidungen zu treffen. Auch Organisatorisches sowie Planarbeiten gehen meist gut von der Hand. Nutzen Sie diese Zeit vor dem Mittagessen.

12-13 Uhr: Zeit für eine Stärkung

Erreicht die Sonne ihren Höchststand, ist der ideale Zeitpunkt für das Mittagessen. In der Pitta-Phase brennt das Verdauungsfeuer am stärksten, weshalb jetzt die Hauptmahlzeit eingenommen werden kann. Um sich für die zweite Tageshälfte zu stärken, sollte diese Mahlzeit aus viel Eiweiß und einer großen Portion Gemüse bestehen. Besonders beliebt sind proteinhaltige Hülsenfrüchte, wie z.B. Erbsen, Bohnen und Kichererbsen.

14-18 Uhr: Die zweite Vata-Phase

Die zweite Vata-Phase wird geprägt von Kreativität, Bewegung, Treffen und Kommunikation. Nutzen Sie diese Zeit, um sich mit anderen auszutauschen, neue Ideen zu sammeln und Dinge zu tun, die Ihnen Spaß machen.

Kommt bei Ihnen am Nachmittag das typische Nachmittagstief, haben sie eventuell zu viel gegessen oder in der Nacht zuvor schlecht geschlafen – ein Anzeichen für ein Vata-Ungleichgewicht. Folglich wird der Körper träge, das Energielevel sinkt und die Konzentration lässt nach.

18-22 Uhr: Herunterkommen und Abschalten

Um 18 Uhr, mit dem Untergang der Sonne, beginnt die zweite Kapha-Phase und somit die Zeit der Entspannung. Das Abendessen sollte zwischen 17:30 Uhr und 19:30 Uhr eingenommen werden, also nicht zu spät, um den Schlaf nicht zu stören. Besonders gut eignen sich leicht verdauliche Lebensmittel, da der Stoffwechsel gegen Abend herunterfährt und man die Verdauung während der Nachtruhe nicht überlasten sollte. Rohkost und Salate, sowie Milchprodukte wie Butter und Sahne sollten eher gemieden werden, da sie zu einem unruhigen Schlaf führen können.

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Ayurvedisches Abendessen

  • (Gemüse-)Curry
  • Eintöpfe
  • Suppen
  • Dal
  • Reis mit Mungbohnen

Gegen 20 Uhr heißt es dann: Zeit für Ruhe. Egal ob ein abendlicher Spaziergang an der frischen Luft, ein Buch lesen oder eine entspannte Meditation. So kann der Tumult des Tages hinter sich gelassen werden und es können beste Voraussetzungen für einen erholsamen Schlaf gelegt werden. Aufwühlende Aktivitäten und zu langes Fernsehen sind zum Herunterkommen hingegen kontraproduktiv.

22 Uhr: Zeit zu schlafen

Ayurveda empfiehlt, vor 22 Uhr Schlafen zu gehen. In dieser Zeit herrscht Kapha vor, welches für eine schöne Schwere sorgt und schnelles Einschlafen unterstützt. Nach 22 Uhr kommt hingegen eine neue Pitta-Periode, der Geist wird aktiv, unruhig und die Gedanken erschweren das Einschlafen.

Fazit

Im Ayurveda spielt Harmonie eine übergeordnete Rolle. Es wird dazu ermutigt, Gewohnheiten zu hinterfragen und die Achtsamkeit für das eigene Körper-Geist-System zu stärken, um Dysbalancen zu vermeiden und bereits vorhandene Ungleichgewichte wieder zu harmonisieren. Dabei wird der Mensch als ganzheitliches System betrachtet und Rituale stehen als Grundlage für das Wohlergehen und für Präventivmaßnahmen hoch im Kurs – ein großer Vorteil gegenüber der westlichen Lebensweise.

Einige Rituale scheinen für den ein oder anderen eventuell etwas ungewöhnlich zu klingen, sie sind aber auf jeden Fall einen Versuch wert. Testen Sie, welche Routinen Ihnen guttun, und finden Sie Ihren Weg, um Ihre Lebensfreude und Ihr Wohlbefinden mit etwas mehr Ayurveda im Alltag zu steigern.

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